Rudi 123

Marathon im Saarland. Das ist eine Rückkehr in eine alte Lebensregion. St. Wendel ist der Ort des Geschehens. Dies ist eine Kleinstadt im Nordosten des Saarlandes. St. Wendel ist dank seines Bürgermeisters eine Sportstadt. Mountain-Bike-Meisterschaften finden hier statt. Aber auch z. B. ein Traillauf im Herbst. Nun war aber am 1. Mai Marathontag. Neben dem ganzen Kanten gab es auch natürlich die Häfte zu laufen. Am Abend vorher wurde ein schönes Hotel am Dom für eine Nacht bezogen. Beim ersten Rundgang und der Suche nach der Startnummernausgabe trafen wir natürlich gleich auf einen einheimischen Mitläufer. Der zeigte uns gleich auf dem Weg den schon genannten Bürgermeister, der am Wegesrand im Cafe saß und alles „überwachte“. So war gleich der Weg zu dieser ersten etappe sehr kurzweilig, zumal es Diskussionen um verschiedene Marathonstrecken, Stimmung und Motivation gab.

In der Stadthalle war die Nummernausgabe. Zugleich waren dort auch einige Laufsachenstände sozusagen als kleine Marathonmesse. Meine Nummer hatte ich schon aus dem Internet und diese war leicht zu merken, nämlich 123. Dafür bedankte ich mich denn auch gleich. Schon einmal durfte ich eine besondere führen. Beim Bremen-Marathon vor einigen Jahren erhielt ich die Nummer 1.000. Dies gab damals auf der Strecke viel Aufmerksamkeit. Kinder riefen: „Schau mal, da kommt die 1.000“. Und selbst die Verkehr regelnden Polizisten freuten sich, die 1.000 gesehen zu haben.

Nach gelungener Abholung der Startunterlagen mußte nun noch etwas Geeignetes zu essen her. Beim Gang durch die Stadt wurden einige Lokale von außen begutachtet. Ein Italiener fand sich nicht. Nur eine Gaststätte nahe des Startpunkts fiel auf, weil sie ein Marathonfrühstück der besonderen Art anbot. Fleichkäse gehörte dort mit dazu. Dies geht wahrscheinlich nur im Saarland, in dem Essen eine besondere Bedeutung hat.

Marathon-Frühstücksangebot

Marathon-Frühstücksangebot

Letztlich entschieden wir uns dann doch für das Lokal im Hotel. Hier gab es leckeren Flammkuchen. Das war genau das Richtige für den Abend davor. Nun ging das Rätselraten um das Wetter am Veranstaltungstag los. Regen oder Sonnenschein? Jedenfalls gab es am Abend ein saftiges Regenschauer. Die Wetterberichte waren sich allerdings erstaunlicherweise einig, dass gutes Wetter uns am nächsten Morgen begrüßen würde. Tatsächlich begrüßte uns das feinste Wetter am nächsten Morgen. Schon ging die Sorge los, dass es zu warm werden könnte. Naja, immer passt was nicht. Also erst mal lecker Frühstücken (natürlich nicht so viel, aber ein Brötchen mußte schon sein, war ja schließlich bezahlt). Und natürlich Kaffee zum Wachwerden. Nach dem Auschecken aus dem Hotel ging es dann zum zentralen Platz in St. Wendel. Hier waren die Startvorbereitungen im vollen Gange. Der ganze Ort schien in Bewegung zu sein. Die örtlichen Cheerleader führten ein wahrhaft artistisches Programm vor.

Artistische Vorführung vor dem Start

Artistische Vorführung vor dem Start

So wurde das Warten auf den Startschuß recht kurzweilig. Noch etwas warmlaufen, dann ab zum Start. Und heute nicht so weit nach hinten. Ein Mitläufer erzählte mir noch, dass er eigentlich etwas über drei Stunden läuft, aber heute wollte er es mit etwas unter 4 Stunden gemütlich angehen lassen.  Na, da sollte ich ihm vielleicht hinterherlaufen?

 

Vor dem Start

Vor dem Start

Die Startvorbereitungen brauchten dann doch etwas länger. Endlich ein paar Minuten nach neun Uhr fiel dann der Startschuß und das Elitefeld brauste los. Zunächst ging der Kurs durch die Innenstadt mit etwas auf und ab. Die Stimmung war prima. Ich hängte mich an den Pacemaker mit 3:45 an. Aber nach einer Weile hatte ich den Eindruck, dass er irgendwie ganz schön schnell lief. Später sah ich dann auch, dass der Schrittmacher für 3:30 eigentlich nur kurz davor war. Also versuchte ich da gar nicht mitzuhalten, sondern suchte mein eigenes Tempo. Meistens ist es aber nicht schlecht, wenn man zumindest für ein Wegstück sich an einen anderen Läufer dranhängen kann, was ich dann auch mit dem ein oder anderen Mitläufer tat.

Los gehts

Los gehts

Die Strecke in St. Wendel besteht aus zwei Runden. Der Kurs macht eine Schleife an einem Industriewerk vorbei.  Irgendwo gabs dann eine Kehrtwende zurück in Richtung Innenstadt. Doch nun ging es an der Abzweigung raus aus der Stadt auf die Bundesstraße. Die St. Wendeler schaffen es wohl immer wieder, sogar eine komplette Bundesstraße für dieses Sportereignis zu sperren. Der Verkehr läuft dann über Umgehungsstraßen außen rum. Für die Läufer steht die B41 auf einer Länge von etwa 10 km hin und zurück exklusiv zur Verfügung. Das Rennen auf der „Autobahn“ passte mir heute gut. Dadurch war ein sehr gleichmäßiges Laufen möglich. Zwar waren hier keine Zuschauer, aber mir reichten eigentlich die Passagen in der Stadt für das Jubeln. Jedenfalls war ich in einer guten Zeit wieder zurück in der Stadt.

Da komme ich

Da komme ich

Vor dem Bahnhof standen dann die Cheerleader Spalier und feuerten die Läufer an. Von hier aus ging es etwas hügelig in Richtung Norden. Hier war auch ein kleiner Anstieg der sich über eine Länge von zwei bis drei Kilometern hinzog. Hier zeigte sich auch, dass eine Zwei-Runden-Strecke auch ihre Vorteile hat. Zwar sieht man in der zweiten Einheit nix Neues, aber man kennt das Alte eben schon und kann seine Kräfte auf den Streckenverlauf einstellen.

Es läuft gut

Es läuft gut

Irgendwo im Norden von St. Wendel gab es auf auf der Landstraße am Ende des Orts wieder eine Kehrtwende. In diesem Abschnitt stehen viele Häuser und eine Menge Zuschauer feuerten die Läufer an. Eine Gruppe fiel besonders auf, denn sie war in einem heftigen Laola-Fieber. Zwischenzeitlich wurde mitten in der Stadt der Halbmarathon gestartet. Als ich wieder am Zentrum vorbeikam, war das Feld schon länger unterwegs. Doch bevor es wieder auf die Bundestraße ging, war nochmals die Schleife am Industriewerk im Programm. Meine Zeit war immer noch prima. Sollte es heute ein guter Lauf werden?

Da komme ich schon wieder

Da komme ich schon wieder

Ob das Tempo stimmt, sieht man immer etwas an den Mitläufern um einen herum. Wird man von diesen überholt oder ist man selbst dabei an diesen vorbeizuziehen? Wie es wieder auf die Bundstraße gen Süden ging, war ich mir da nicht so sicher. Allerdings verlief dieser Abschnitt auch etwas bergab. Nach der neuerlichen Kehrtwende zurück in die Stadt sah ich dann, dass es heute wirklich gut läuft. Im gleichmäßigen Rhythmus konnte ich etliche Marathon-Läufer einholen. Allerdings kamen jetzt auch die letzten Läufer des Halbmarathons dazu. Hier auf der Bundesstraße war allerdings genügend Platz, um gut vorbeiziehen zu können.

Immer noch gut unterwegs

Immer noch gut unterwegs

Schwieriger wurde es dann bei der Rückkehr in der Stadt. Das Halbmarathonfeld wurde immer dichter und manchmal war schon ein kleines Ausweichmanöver nötig, um an dem einen oder anderen Läufer vorbeizukommen, der sich allzusehr selbst und mit den Zuschauern feierte. Denn mittlerweile hatte ich gesehen, dass heute eine gute Zeit unter 4 Stunden drin ist. Und das wollte ich mir nicht mehr durch zuviel Gejubele oder zu intensive Trink- und Esspausen nehmen lassen. Am letzten Anstieg ab Km 37 lief der Vorwärtsdrang dann doch etwas schleppend. Aber ich schaffte immerhin ein Mindesttempo zu halten, um nicht in Zeitverlust zu kommen. Also gab ich wieder Gas und wollte mich durch nichts mehr aufhalten lassen. An einem Verpflegungsstand nach der letzten Wende im Norden hätte es fast ein Problem gegeben. Jedenfalls schlüpfte ich nach einem Becher greifend geradeso zwischen Helfer und halb stöhnendem und halb feiernden Halbmarathonis durch.  Jedenfalls waren es jetzt nur noch vier oder fünf Kilometer und das fast nur noch leicht bergab. Nun beflügelte die Gewissheit, dass das Ziel nahe ist und ich konnte ein gutes Tempo vorhalten.

Der letzte Kilometer brach an und nun wußte ich, dass es nur noch einmal um die Ecke in die Innenstadt geht. Nach meiner Uhr war jetzt nicht nur eine Zeit unter vier Stunden drin, sondern sogar eine persönliche Bestzeit. Also ran und die letzten Meter losgerannt. Hatten mich da doch eben zwei Halbmarathonis noch überholt? Jubelnd im Ziel konnte ich sehen, dass ich eine ganze Minute schneller war, als meine bisherige Bestzeit. 3:56:58 ist ein toller Erfolg! Die Reise nach St. Wendel hat sich gelohnt. Zumal am Nachmittag alte Freunde besucht wurden.

Urkunde mit Bestzeit

Urkunde mit Bestzeit

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