BFTM

Um mich für den Allgäu-Panaroma-Ultra-Trail im Sommer vorzubereiten, war ich auf der Suche nach guten Trainingsgelegenheiten. Dabei wurde ich im Schwarzwald fündig. Da im Allgäu 70km mit 3.000 Höhenmetern in maximal 12 Stunden zu laufen sind, kommt der Zweitageslauf in Simonswald bei Freiburg am 21. und 22. Mai 2011 gerade recht. Hier sind am ersten Tag 57 km mit 1.900 Höhenmetern und am zweiten Tag 21,4 km mit 600 Höhenmetern zurückzulegen. Insgesamt also ein prima Abbild der geplanten Strecke im Sommer (nur eben mit 1x schlafen und ausruhen dazwischen).

Höhenprofil Black Forest Trailrun

Höhenprofil Black Forest Trailrun

Der Lauf wird vom Veranstalter TSV Simonswald als „Black Forest Trailrun Masters“ geführt, was in Kurzform BFTM ergibt. Leider mußte die An- und Abreise wegen dem Job zeitlich sehr eng geplant werden. Daher habe ich auch keinen besonderen Wert auf die Unterkunft gelegt, sondern beschloß in dem angebotenen „Massenlager“ in der Turnhalle unterzukommen. Angesichts der Teilnehmerzahl von etwa 80 Läufern war ohnehin nicht zu erwarten, dass die Turnhalle voll wird. Eher hatte ich die Befürchtung ziemlich alleine in der großen Halle zu landen.

Als ich am Freitag abend nach der Arbeit gen Süden düste, war ich auf Staugequäle vorbereitet. Aber seltsamerweise gab es nur auf der Gegenfahrbahn Fahrzeugverdichtungen. So kam ich zeitig im schönen Schwarzwald an. Also stellte ich meinen roten Flitzer ab und machte mich auf die Socken zur Startnummernausgabe. Der Inhalt der Tüte zeigte gleich, dass man hier nicht bei einem normalen Lauf ist. Eine eingeschweißte Karte für jeden Läufer enthielt die Rufnummern der begleitenden Mountainbike-Fahrer, denn nur die konnten im Notfall direkt zu dem Läufer, um zu helfen. Allerdings waren auch auf dem Plan Zielzeiten für die einzelnen Etappen angegeben, die ziemlich anspruchsvoll erschienen. Also gleich nochmal zurück zur Ausgabe. Aber die Dame wußte leider auch nicht, was die Zeiten sollten. Auch ein Gespräch mit einem Mitläufer ergab hier nur Rätselraten. Also erstmal abwarten und nach der Turnhalle suchen.

Diese war nur wenige Schritte entfernt. Einige Laufkumpanen bereiteten schon ihr Nachtlager vor. Von Rainer, den ich dort traf, bekam ich gleich den Tipp eine Turnmatratze als Unterlage für meinen Schlafsack aus dem Turnhallendepot zu holen. Gesagt, getan. Damit am Lauftag eine richtige Grundlage für die lange Strecke vorhanden ist, galt es jetzt noch, was zu essen zu finden. Also machte ich mich mit Rainer, der sich hier auskannte, auf den Weg. Um die benötigten Kohlehydrate zu bekommen, machten wir einen großen Bogen um die Schniposa-Gaststätten im Ort und landeten bei einem Italiener. Mein Laufkumpan versorgte sich mit Spaghetti und ich genoß eine große Pizza.  Dazu gab es leckeres alkoholfreies Weizen.

Danach ging es ins Massenlager. Etwas skeptisch war ich, ob das so alles mit dem Schlafen gut klappen würde. Würden alle pünktlich Ruhe geben? Würde keiner schnarchen? Doch ziemlich schnell waren alle in ihrem Schlafsack verkrochen. Es wußten wohl alle, worum es am anderen Tag geht. Nur gegen morgen, war in  einer Ecke etwas Röcheln zu vernehmen. Aber an einen festen Schlaf war ohnehin aufgrund der Spannung und Erwartung auf den Lauf nicht zu denken.

Und so war es eigentlich nicht notwendig einen Wecker zu stellen. Kurz vor sechs krochen die ersten Laufkameraden aus ihren Schlafsäcken und so tat ich es ihnen gleich. Dennoch bimmelten um sechs Uhr ein paar vereinzelte Wecker, die bestätigten, dass nun wirklich Zeit zum Aufstehen ist.

Schnell waren die Zähne geputzt (Waschen lohnte sich ja nicht) und die schon am Vorabend bereit gelegte Laufkleidung und Ausrüstung wurde angezogen. Eigentlich hatte ich keine Lust, meinen Getränkeschlauch zu füllen. So überlegte ich, ob ich nicht einfach die mitgenommenen Wasserflaschen in meinen Laufrucksack stecken sollte. Aber Rainer überzeugte mich, dass dies zu viel Geschwabbel gibt.

Dann ging es zum Frühstück. Eigentlich war es für sieben Uhr angekündigt. Aber einige Kameraden waren schon nach draußen verschwunden. Doch wohin waren sie gegangen ? Der Haupteingang der Schule, wo es die Startnummern gab, war noch zu. Zusammen mit Peter aus der Schweiz entdeckte ich dann den offenen Eingang (eigentlich einfach gegenüber dem Turnhallenausgang :)).

Die beiden Damen in der Schulküche hatten ein leckeres Frühstück mit frischen Brötchen vorbereitet. An der Schultafel begrüßte uns ein Willkommensgruß mit einer Zeichnung vom Berg, wo wir bald hinauf mußten. Etwa 15 Frühstücksgäste saßen zusammen und genoßen die letzten ruhigen Minuten vor dem Start des Laufes bei einem heißen Kaffee und viel Gesprächen über interessante Lauferfahrungen.

Ansprache vor dem Lauf

Ansprache vor dem Lauf

Dann wurde es endlich ernst. Zum Start auf dem zentralen Platz im Ort, dem Sägeplatz, waren es nur ein paar Hundert Meter. Strahlend blauer Himmerl und Sonnenschein erfüllte diesen Morgen. So waren schnell letzte Zweifel beseitigt, ob erstmal mehr als ein Laufshirt benötigt wird. Allerdings war für später Gewitter angekündigt, so dass ich zumindest einen Schutz gegen einen Regenschutt in den Rucksack packte.

Startaufstellung

Startaufstellung

Auf dem Startplatz fanden sich etwas über hundert Läufer zusammen. Ganz pünktlich um 8 Uhr fiel dann der Startschuß. Nach einigen Metern durch den Ort ging es über eine Brücke dann gleich die ersten Meter hinauf. Ich wußte aus dem vorbereitenden Streckenstudium, dass die ersten 10 km zwar einige Steigungen aufwiesen, aber dies gar nichts gegen dir folgenden fünf oder sechs Kilometer sein würden, die dann sacksteil auf den Kandel führen würden. Also erstmal langsam machen. Und tatsächlich waren die meisten anderen Läufer auch so eingestellt und nahmen sich  die erste größere Steigung nicht im Laufschritt vor, sondern wanderten dort erstmal hoch. Also wanderte ich mit. In der Vorbereitung hatte ich ja schon gut den ständigen Wechsel zwischen Wandern und Laufen gelernt, was nicht so einfach ist, wenn  man geschlaucht am Ende eines steilen Wegs ankommt und sich eigentlich am liebsten erstmal hinsetzen möchte.

Langsam schlängelte sich der Forstweg auf den ersten 10 km den Berg hinauf, bis plötzlich eine „Wand“ vor uns auftauchte, die es mühsam hinaufzukrabbeln galt. Nach etwa 200m schwenkte der Forstweg dann in die Gegenrichtung und war gut zu rennen. Die erste Verpflegung nahte mit freundlichen Helfern vom Roten Kreuz. Jeder hatte dort seinen Startnummer zu melden, damit sicher gestellt werden konnte, dass niemand verloren geht. Nach einem zweiten Frühstück sollte dann der Aufstieg auf die Kandel beginnen. Die folgenden Kilometer waren gleich die längste und ausdauerndste Steigung des Laufs. Also wanderten die meisten diesen Weg hoch. Später hörte ich von den Spitzenläufern, dass sie diesen Weg auch hochgerannt sind (uff).

 

Hinauf auf den Kandel

Hinauf auf den Kandel

Nach einer Dreiviertelstunde Bergaufwandern zeichnete sich dann ein Ende der Krabbelphase ab. Über den Höhenmesser meiner GPS-Uhr konnte ich dies schon beobachten. Bei etwas über 1.100 Metern war der höchste Punkt des Laufs erreicht. Aber viele weitere Auf und Abs sollten natürlich noch folgen. Doch zunächst ging es im Laufschritt oben über den Berg durch sonnendurchschienen Wald. Der Blick ins Tal zum Startpunkt war beeindruckend. Nach einigen Kilometern führte der Weg dann wieder über einen Forstweg hinunter in ein Tal.  Nach einem schnellen Teilstück begrüßte uns an einem idyllischen Ort mit Talblick die nächste Verpflegungsstation mit netten Helferinnen vom DRK. Wieder Nummer sagen, essen,trinken und weiter.

Oben auf dem Berg

Oben auf dem Berg

Der Veranstalter hatte bereits angekündigt, dass er dieses Jahr ein paar zusätzliche Traileinheiten eingebaut hat. Also ging es plötzlich ins Gebüsch über einen Bach wieder auf den Weg. War dieser Ausflug noch angenehm, so führte uns die nächste Etappe in der Botanik auf einen Irrweg. An dieser Stelle war der Weg extrem verschlammt. Es fanden sich gleichzeitig sechs oder sieben Mitläufer zusammen. So waren wir durch Sumpf und Gequatsche so abgelenkt, dass keiner den plötzliche Richtungswechsel bemerkte. Der richtige Weg war stets durch blaue Punkte und Pfeile markiert. Doch leider war hier eine scharfe Abzweigung vorgesehen, die niemand von uns bemerkte. Nach einigen hundert Metern bemerkten wir den Irrtum und es gab Diskussionen. Ich hatte auf meiner GPS-Uhr vorher die Strecke abgespeichert und sah, dass man wohl nach einigen hundert Metern auf falschen Wegen wieder auf die richtige Strecke kommt. Doch darauf wollte sich niemand von meinen Mitläufern einlassen. So geschah es, dass sie zurückliefen, worauf ich wiederum keine Lust hatte. Also machte ich mich auf meinen alternativen Zubringerweg. Tatsächlich erreichte ich nach einigen Minuten wieder die Strecke. Geht doch ;).

Dort traf ich auf einen Laufkameraden, den ich eine ganze Weile begleitete. Nach einer Weile quatschen kamen wir an den Aufstieg zum nächsten Berg. Als ich mich wunderte, dass er hier stark sein Tempo reduzierte, bekam ich als Antwort, dass er neben dem 57km-Lauf heute am folgenden Tag die Teilnahme an einem Ultratrail in den Vogesen mit noch mehr Steigungsmetern und Kilometern plante. Da ich am folgenden Tag „nur“ den Halbmarathon vorhatte, machte ich mich irgendwann kurz vor Ende der Steigung auf, um wieder etwas schneller zu laufen. Irgendwie hatte ich hier den Zeitplan und die Zeitlimits völlig durcheinander gebracht und befürchtete nur noch kurz vor dem Limit zu sein (was sich später aber als falsch zeigte). Rechnen und Laufen geht eben manchmal nicht so wirklich gut zusammen.

Dann war der Gipfel des zweiten Bergs erreicht. Hier hatte ich eine seltsame Begegnung mit einer Mountain-Bikerin, die alles andere als Unterstützung war. Das Feld hatte sich zwischenzeitlich recht weit auseinander gezogen. Sie schien zu wissen, dass hier heute ein langer Lauf durchgeführt wird und so verfiel sie gleich auf die Frage, ob ich weit zurückliegen würde, die Strecke würde sich nämlich noch endlos ziehen. Ich bedankte mich für diese „Aufmunterung“ und schickte sie ihres Weges.

Da oben auf dem Berg kaum Wald ist, eröffnete sich kurz darauf ein weiter Blick über den Schwarzwald. In der Ferne in etwa 30km Luftlinie war der große Feldberg zu erkennen. In der Nähe allerdings dann auch ein heranziehendes Gewitter. Doch zunächst ging es auf den Potsdamer Platz. Eigentlich kannte ich diesen aus Berlin. Aber der hier war dann viel schöner. Nicht so viel Verkehr. Eine große Almwiese mit Kühen drauf. Gerade als ich wieder den Wald erreichte, machte sich das herannahende Gewitter bemerkbar. Zum Glück ging es jetzt am Waldrand entlang, so dass man sich keine Sorgen machen mußte, als Blitzableiter zu dienen.

Nach einer Wegkehre ging es jetzt wieder in den Wald zurück. Die Strecke wurde jetzt zu einem richtigen Trail. Ziemlich oft lagen Baumstämme quer über den Weg. Da war anhalten besser, um drüber zu klettern oder drunter durch zu krabbeln. An einem idyllischen Bergtümpel ging es vorbei.  Die ganze Zeit lief etwas weiter hinter mir schon eine Mitläuferin. Als wir an eine Kehre kamen, wo es recht steil im Dickicht bergab ging, lenkte mich für einen Augenblick ein Donner ab (na sowas). Schon purzelte ich über einen Stein und lag auf dem Boden. Durch die plötzliche Entlastung der Beinmuskeln stellte sich zugleich ein Wadenkrampf in beiden Beinen ein. Zum Glück konnte ich ihn gleich durch Gegenbewegungen abfangen. Nun wurde aber das Aufstehen spannend, das nur mit Mühe ging. In diesem Augenblick kam meine Mitläuferin um die Ecke und sah mich da so rumstehen. Also war eine Erklärung fällig und ich berichtete, dass ich einen Purzelbaum geschlagen hatte. Das war dann auch Anlaß nicht lange über Probleme nachzudenken und weiterlaufen.

Ich war jedoch noch nicht ganz wieder bei der Sache, weil mich jetzt die schmerzenden Waden beschäftigten. Zum Glück hatte ich jetzt eine Aufpasserin hinter mir.  Als wir einen Hof erreichten, vermutete ich die Laufstrecke auf dem Forstweg am Hof. Meine Mitläuferin hinter mir hatte jedoch besser aufgepasst und gesehen, dass die Strecke quer durchs Feld den Berg runter ging. Also bekam ich von hinten einen Zuruf. Bevor ich mich richtig bedanken konnte, war die Läuferin aber auch schon den Berg hinunter.

Nicht weit von dieser Stelle erreichte ich dann wieder das Tal. Unten ging es in einen kleinen Ort hinein. An einer Straßenecke wies ein Helfer die Läufer in die richtige Richtung. Am Ende der Häuser ging es wieder eine kleine Steigung hinauf.  Dort wartete ein Verpflegungsposten auf die Läufer. Also erstmal futtern und trinken. Ein Mitläufer saß dort auf der Bank bei den Helfern und schien den Lauf nicht fortsetzen zu können. Da wir hier erst etwa 40 km zurückgelegt hatten, wollte ich jedoch weiter, wußte ich doch auch nicht, wie sich das mit meinen Waden entwickelte.

Aber erstmal ging es wieder ziemlich steil den Berg hinauf. In der Vorbereitung hatte ich schon gesehen, dass man uns an dieser Stelle eine ganze Strecke in die eine Richtung schickte, um dann irgendwann wieder umzukehren und alles zurückzulaufen. Doch ich konnte mir noch kein Bild machen, was hier eigentlich die Topographie zu bieten hatte. Nun sah ich, dass es einen steilen Weg entlang eines Gebirgsbachs hinauf ging. Als ich fast oben angekommen war, ging es dann plötzlich über eine Brücke auf die andere Seite des gurgelnden Gewässers und der Weg führte wieder hinunter. Allerdings war dieser Pfad nun recht holprig und mit meinen schweren Beinen wollte ich kein Risiko eingehen. Daher ließ ich Läufer vorbei, die inzwischen auf mich aufgelaufen waren. Nach 10 Minuten Geholper war dann endlich wieder das Tal erreicht.

Idyllische Brücke im Tal

Idyllische Brücke im Tal

Nun ging es ein paar Minuten etwas flacher durch das Tal. Der Veranstalter wollte aber gar keine Langweile und Monotonie aufkommen lassen. Daher ging es sehr bald wieder steil über einen kleinen Berg. Nach einigem Rauf und Runter führte die Strecke dann endlich mal etwas ebener über einen Forstweg. Zwischenzeitlich rätselte ich, wie weit denn jetzt noch das Ziel entfernt ist. Denn in einigen Veröffentlichungen hatte ich was von 55 km gelesen. Aber offiziell war von 57 km die Rede. Ich wußte, dass die offiziellen Angaben bei Landschaftsläufen nicht immer stimmen. Aber wie war es hier? Waren es noch 10 oder 12 km? Das kann zum Ende hin ein ganz schönen Unterschied machen.

Irgendwann war dann auch die Fahrstraße nach Simonswald auf der anderen Seite des Tals zu entdecken. Das gab Mut, dass das Ziel nicht mehr weit sein konnte. Hier ging es dann auch steil eine Asphaltstrasse hinunter. Dies war nun für die gestressten Muskel wirklich sehr unangenehm. Unten warteten aber zwei nette Helferinnen am Verpflegungsstand und freuten sich, dass wieder jemand kommt. Also fragte ich gleich, wieviele Hügel noch bevorstehen würden. Leider stellte sich heraus, dass das mit den 57 km stimmte. Aber es würden noch zwei Verpflegungsstellen kommen. Irgendwie machte dies nicht so den Mut. Denn wenn noch zwei Verpflegungsstellen nötig waren, mußte auch noch einiges an Strecke absolviert werden. Doch heute schien es auch ein Vorteil zu sein, dass ich nicht zu den schnellen Läufern gehörte. Das Gewitter war wohl weiter Richtung Simonswald gezogen und hatte kübelweise Wasser über die ersten Läufer ergossen. Also bedankte ich mich und dann gings halt weiter.

Und schon nach einiger Zeit mit auf und ab über Forstwege tauchte dann an einer Ecke mit einem Anstieg der nächste Stand auf. Zwischenzeitlich lief ich zusammen mit einem Läufer aus Südtirol, was ich aber erst später feststellte. Ich war mir jedenfalls nicht so sicher, wieviel deutsch er sprach oder ob er eigentlich nur keine Lust hatte sich zu unterhalten. Von den Helfern wollte ich natürlich gleich wissen, wie lange es denn nun schon wieder hinauf geht. Ich bekam aber die beruhigende Antwort, dass es nur den Hügel bis zum nächsten Hof zu erklimmen galt. Gesagt, getan. Nun konnte es nicht mehr weit sein. Kurz bevor ich Simonswald wieder erreichte, warteten bei Km 55 tatsächlich noch einmal einige nette Helfer mit Getränken auf. Also nochmal ein ISO hineingeschüttet und dann auf zum Ziel.

Doch ganz so einfach war es nicht. Mein wortkarger Begleiter war inzwischen vorausgelaufen. Die Wegmarkierung zeigte nun ab ins Tal über einen schmalen Pfad zum Sägeplatz. Nach einigen Metern verzweigte sich der Weg und ich konnte erstmal keine Markierung erkennen. Etwas unentschlossen stand ich jetzt da. Bloß nicht nach dem weiten Weg jetzt in eine falsche Richtung laufen! Das war nun wirklich nicht erstrebenswert. Aber hinter mir kam auch niemand, mit dem ich mich beraten konnte. Zum Glück entschied ich mich für die richtige Richtung und sah auch schon nach einigen Metern wieder die blaue Markierung.

Schnell war ich im Tal und jetzt waren nur noch einige Meter am Bach im Simonswald zurückzulegen. Und da sah ich auch schon das Ziel am Sägeplatz vor mir liegen. Glücklich geschafft nach 8 Stunden und 3 Minuten innerhalb des Zeitlimits. Einige Läufer, die vor mir angekommen waren, standen hier zusammen.  Auch einer der Topläufer war dort. Tatsächlich war es wohl für die Ersten auf den letzten Kilometern eine Wasserschlacht. Aber sie hatten das Beste draus gemacht und es als willkommene Abkühlung genutzt. Schlechter war es wohl, wie ich später erfuhr, für die letzten Läufer. Sie waren auf dem Berg von einem Hagelschauer erwischt worden und haben dadurch erst mal ziemlich gefroren. Nach und nach kamen weitere Läufer hinter mir ins Ziel. Ich bewegte mich aber sehr bald in Richtung Dusche und Essen. Am nächsten Tag stand ja noch eine weitere Einheit auf dem Programm.

An diesem Abend ging es mit einer größeren Gruppe zum Italiener. Die Augen waren bei einigen von uns aber größer, als der Magen. Denn nach so einen Lauf braucht es doch eine ganze Weile, bis der Magen wieder feste Nahrung in größerer Menge verarbeiten möchte.  Peter aus der Schweiz hatte da eine sehr schöne Theorie. Das ganze Blut sei eben noch in den Beinen und da habe der Magen keine Möglichkeit mehr zu arbeiten. Aber Hauptsache das alkoholfreie Weizen schmeckte! Was der nächste Tag mit dem 21,4 langen Berglauf bringen würde, war ich mir nicht so sicher. Die Waden drückten ganz schön.

An diesem Abend ging es dann recht bald in den Schlafsack in der Turnhalle. In dieser Nacht machte ich mir keine Sorgen, wegen Unruhe oder Schnarchen nicht schlafen zu können. Ziemlich schnell war ich weg und schlief hervorragend. Das Aufstehen am nächsten Morgen war allerdings wegen der gestressten Beine recht beschwerlich. Aber nach einigen Metern konnte ich mich wenigstens vorwärts bewegen. Also erstmal Zähne putzen und dann ab zum Frühstück. Hier wurden dann erstmal Erfahrungen vom gestrigen Lauf ausgetauscht. Ich war nicht der Einzige, der sich auf die Matte gelegt hatte. Auch andere hatten eine nicht geplante Bekanntschaft mit der Topografie gemacht.

Höhenprofil Panoramalauf

Höhenprofil Panoramalauf

Nach dem Umziehen für den Lauf war die Zuversicht nicht so groß, ob ich die Strecke des Panoramalaufs mit 21,4 und 600 Höhenmetern tatsächlich im Zeitlimit schaffen würde. Zumal sich zwischenzeitlich bei mir eine Info festsetzte, dass es doppelt so viele Höhenmeter seien. Der Panoramalauf am Sonntag war natürlich mit einem stärkeren Starterfeld besetzt. Etwa 300 Läufer standen um 10 Uhr an der Startlinie bereit. Die meisten Ultratrail-Läufer sortierten sich in den hinteren Teil des Felds ein. Gleich ging es wieder über eine Asphaltstraße den Berg hinauf. Die ersten Kilometer waren daher sehr beschwerlich zumal gleich ein steileres Stück einen Hang hinauf führte. Aber irgendwann kapierten die müden Muskeln nun, dass ihnen nix anderes übrig, als zu laufen und die Schwere ließ nach. Nach einem Bergabstück ging es dann erstmal wieder 5 km bergauf.

Als ich endlich oben ankam, war ich mir sicher, ordentlich ins Ziel zu kommen. In vielen Serpentinen führte die Strecke wieder hinab ins Tal. Doch leider hatte der Veranstalter kein Erbarmen. Um ins Ziel zu kommen, dass jetzt nur noch drei oder vier Kilometer weg war, mußte noch mal ein steiler Hügel erklommen werden.  Und als letzte Überraschung vor dem Ziel folgte noch ein holpriger Pfad quer über die Wiese. Das Ziel war schon zu sehen und zu hören. Auf den letzten Metern verschwanden wir dann nochmal im Gebüsch hinter der Turnhalle, um dann endlich in  200 Metern das langersehnte Ziel der 2 Tage zu erspähen. In 2:28 ereichte ich das Ziel der zweiten Etappe. Zwar nicht die tollste Zeit, aber weit innerhalb des Limits.  Geschafft, der Test für den Allgäu war bestanden!

Und eine Menge gelernt, was die weitere Vorbereitung betrifft. Lernen in der Hitze zu laufen. Salzhaltige Getränke vorbereiten. Und nun wirklich auch trainieren, sacksteile  Wege schnell hinauf zu gehen. Hier werden ganz andere Muskeln beansprucht, als beim normalen Laufen. Und sehr schön waren die Strecken an den beiden Tagen.

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